Wachsam und lebendig durch Liebe – Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Jesus kommt von dem, über den nichts Größeres zu denken ist.

Von einem bekannten Philosophen wird erzählt, dass für ihn der Glaube an Gott deswegen so wichtig wurde, weil er sich dadurch besser der Wirklichkeit widmen kann. Ich habe eine ähnliche Erfahrung gemacht. Es gibt so viel Ungereimtes in der Welt, sodass ich mich oft nach dem Sinn des Ganzen gefragt habe. Meine Antwort war, dass Gott und seine Hilfe den Sinn des Ganzen erschließt. Das hat mich veranlasst, mich besser den Einzelheiten widmen zu können.
Heute in der Früh bin ich mit dem Bewusstsein aufgewacht, dass Gott mit mir etwas vorhat. Ich bin neugierig, welche Begegnungen ich heute mache. Auch wenn ich am Abend in einer sozialen Einrichtung einen ehrenamtlichen Dienst mache.
Ich sehe: Wenn jemand Gottes Geschenke nicht beachtet, verliert er sich im Stress des Alltags und kann in depressive Verzweiflung fallen. Es kommt mir so vor, dass Gott mit allen Menschen etwas Großes vorhat. Er schenkt uns überfließende Freude, Liebe, Heilung und Hoffnung.

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Besessen vom Begehren – Achtzehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Unsere Kinder lernten indem sie es den anderen nachmachten. Auch als Erwachsener lernte ich viel beim Zuschauen, wie etwas gemacht wird. Dieses Nachahmen geschieht auch im Begehren. Wenn ich jemanden sehe, der etwas haben will, überlege ich mir, ob es etwas ist, das ich auch haben möchte. Ich mache – nicht immer – das Begehren des anderen nach. Das ist oft unbewusst. Obwohl ich einzigartig sein will, ahme ich unbewusst das Wollen des anderen nach.

Rivalen

Ich sehe einen Freund, der ein Ding sehr lobt. Er ist dann im Loben gut, wenn er es selbst haben möchte. Dann spüre ich, dass ich es auch begehre. Wenn ich mein Begehren meinem Freund zeige, dann begehrt er das Ding doppelt. Er sieht sich in seinem Begehren bestätigt. Wenn das Ding eine Ware ist, die man leicht bekommt, ist das kein Problem. Wenn es hingegen ein Unikat ist, dann werden wir uns im Begehren streiten. Wir werden zu Rivalen und könnten uns jetzt bekämpfen, wobei das Ding in den Hintergrund tritt.

Tödliche Epidemie

Es kommt in Gesellschaften mit knappen Gütern zu einer Epidemie, in der jeder gegen jeden kämpft. Das 9. und 10. Gebot, du sollst nicht begehren, ist der Spiegel des ersten Gebotes, du sollst an den einen Gott glauben. Denn ihn sollst du sehnsüchtig lieben. Das ist die Antwort auf die Krankheit der Rivalität. Ich halte es auch mit dem bekannten Gerichtspsychiater Reinhard Haller: Die Wertschätzung des anderen besiegt die Rivalität und die eigene Kränkung.

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Ist es notwendig, dass ich Gott bitte? – Siebzehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

BetendeKann ich Gott um etwas bitten und kann ich darauf vertrauen, dass er hilft? Ich habe immer geglaubt, dass er aus Liebe ohnehin das Gute bewirkt. Wozu, so habe ich gedacht, soll ich ihn noch dazu bitten? Bei den Fürbitten in der Kirche dachte ich, dass wir um etwas bitten, was er macht und wir stimmen uns in diese Richtung ein. Dass die Bitten eine Auswirkungen auf unser Leben haben, glaubte ich immer: Ich werde getröstet, habe eine intensivere Gottesbeziehung, werde vor Hochmut und Einsamkeit bewahrt.

Jetzt habe ich aber vieles über das Bittgebet gelesen und bin überzeugt, dass Gott wirklich hilft, wenn ich ihn bitte. Er will wissen, was wir wollen. Er nutzt dazu die Spielräume der Welt und will mit uns gemeinsam und auf unsere Bitte hin etwas Gutes bewirken. Wenn wir allein die Knoten der Übel lösen wollen, kommen noch schlimmere Knoten zustande. Hier trifft das Jesuswort: „Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut“ (Mt 12,30). Oder: „Wer nicht mit mir Knoten löst, wird sie vermehren.“ Ich bitte deswegen Jesus, die Knoten in mir und um mich zu lösen.

Meine Bitten: Ich bitte Gott, dass er einem jungen Mann hilft, seinen beruflichen Weg findet. Ich bitte Gott, dass er einer kranken Frau in ihrer Not beisteht. Ich bitte Gott, dass er mich nicht neidisch werden lässt. Ich bitte Gott, dass ein Freund gesund wird. Ich bitte Gott, dass eine Frau wieder zu Gott findet. Ich bitte Gott, dass eine Ehe wieder geheilt wird. Ich bitte Gott, dass eine Flüchtlingsfrau Ausbildung, Arbeit und Wohnung findet. Ich bitte Gott, dass die Politiker und Politikerinnen in Österreich Gutes für das Land und seine Bewohner tun können. Ich bitte Gott, dass die katholische Kirche Frauen zu Priesterinnen weiht. Ich bitte Gott für die Briten, dass sie eine gute Lösung für ihr Brexitproblem finden. Ich bitte Gott, dass ein Arbeitsloser nicht alkoholsüchtig wird und eine Aufgabe findet.

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Die zwei Schwestern – Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Marta und MariaIch bin fasziniert von den zwei Schwestern. Maria sitzt zu den Füßen Jesu und hört ihm zu. Wenn Gott Mensch wird, wer könnte ihm da nicht zuhören? Marta kann ihm nicht zuhören. Sie ist die Gastgeberin und läuft herum und bedient Jesus. Sie bringt die Speisen des Landes, Oliven, Feigen, Datteln, Weintrauben, geräucherten Fisch, duftendes Fladenbrot, frisches Wasser mit Wein, Ziegenmilch, Ziegenkäse, Ziegenbutter, Rosinenkuchen mit Honig, Äpfel, Traubensaft und Granatäpfel. Sie merkt verärgert, dass ihre Schwester nur Jesus zuhört und ihr nicht hilft. Jesus verteidigt aber seine Schülerin Maria. Auf ihn zu hören sei notwendig, gut und darf ihr nicht genommen werden.
Diese Maria wird bei uns Christen zum Vorbild derer, die auf Gott hören. Wir kennen das von den Juden, die das „Schma Jisrael“ täglich beten: „Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Die Liebe zu Gott verschränkt sich mit der Liebe zum Nächsten.
Die Gottesliebe ist für Maria leichter als für uns Christen. Denn die Figur Gottes ist für sie sichtbar in der Person Jesu. Wenn ich hingegen bete, dann habe ich keine Figur vor mir. Er ist mir eine riesige Fläche, wie der Himmel, der sich über uns spannt. Gott entzieht sich mir. Und doch – es gibt Umrisse, mit denen er mir hilft. Da ist das Brot und der Wein in der Messe, mit denen ich Gott esse und trinke. Da ist das Brot, das ich anschauen kann in der Monstranz, da ist Jesus am Kreuz, da sind die Geschichten von Jesus und da sind die Menschen um mich, in denen er mir entgegenkommt. So schwer ist Beten doch nicht.

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Der Nächste? – Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Rückblick
Liebe Leserin, lieber Leser!
Da ich in Rhodos war, erlaube ich mir den Kommentar für das letzte Sonntagsevangelium vom Bibelwerk zu nehmen:
Das wichtigste Gebot?
Zur Zeit Jesu war es umstritten, welches das wichtigste Gebot der Tora ist. So kam ein Mann zum berühmten Rabbi Schammai und sagte: „Ich will Jude werden, wenn du mir das Wichtigste der jüdischen Religion in der Zeitspanne sagen kannst, wie ich auf einem Fuß stehen kann.“ Der Rabbi dachte an die fünf Bücher Mose und an all unsere Auslegungen zu diesen Büchern, die angeben, was alles wichtig ist, um das Heil zu erlangen. Er musste zugeben, dass es ihm unmöglich sei, alles in ein paar Sätzen zusammenzufassen. Darauf ging der Mann zu einem anderen berühmten Rabbi, zu Rabbi Hillel, mit derselben Bitte. Der antwortete sofort: „Was dir selbst widerwärtig ist, das tue auch deinem Nächsten nicht an!“ Das ist das ganze Gesetz. Alles andere ist Auslegung!

Wer ist mein Nächster?
Für Pharisäer waren „Nächste“ die, die das Gesetz halten wollten.

In Qumran wurden als „Nächste“ nur die Mitglieder dieser Gemeinschaft gesehen.
Für Zeloten galt als der „Nächste“, wer zum bewaffneten Kampf gegen die Römer bereit war.
24 Gruppen von Priestern und Leviten
Jericho war als fruchtbare Oase der Wohnsitz vieler Priester und Leviten und eine Nobelstadt der Vornehmen. 24 Dienstgruppen von Priestern und Leviten wechselten wöchentlich ihren Dienst am Tempel in Jerusalem. Leviten halfen den Priestern beim Schlachten und Zubereiten der Opfertiere, hatten die Aufsicht im Tempelbezirk, durften aber nicht das Tempelheiligtum betreten oder Opfer darbringen.

Keine Leichen berühren
Von Priestern und Leviten war ein Höchstmaß an Reinheit verlangt. Sie mussten den Kontakt mit Sterbenden und Toten vermeiden. Sie gingen dem Gesetz gemäß an Leichen vorbei, machten einen Bogen um den Halbtoten, der nach damaligem Verständnis genauso verunreinigt hätte wie ein Toter. Die Gesetzestreue hinderte sie zu helfen. Der Priester und der Levit sind keine Bösewichte, sondern „nur“ gewohnt, das jüdische Gesetz über alles – eben auch über einen Menschen in äußerster Not – zu stellen. In äußerster Kürze wird ihr Nichthelfen beschrieben, dagegen wird anschließend sehr ausführlich das Handeln des Samariters dargestellt.

Samariter, die Feinde
Die Gestalt des Samariters ist für die Hörerinnen und Hörer besonders schockierend, weil zur Zeit Jesu die Feindschaft zwischen Juden und Samaritern außergewöhnlich erbittert war. Die Samariter sind benannt nach der Region, in der sie wohnen: im samarischen Bergland. Samaria war einst die Hauptstadt des Nordreiches gewesen. 722 v. Chr. war das Nordreich Israel durch die Assyrer erobert, die Ober- und Mittelschicht deportiert, fremde Volksstämme zwangsangesiedelt worden.

Ein eigener Tempel am Garizim
Die Einheimischen hielten am JHWH-Glauben fest, vermischten sich aber mit den Neuangesiedelten und nahmen fremde religiöse Elemente auf. Man baute einen eigenen Tempel auf dem heiligen Berg Garizim. Konservative Juden ließen sie deshalb nach ihrer Rückkehr aus dem Exil nicht mehr zum Tempelgottesdienst in Jerusalem zu. Samariter belästigten zum Teil die Tempelpilger auf dem Weg nach Jerusalem durch ihr Gebiet. Die Samariter wurden im Synagogengottesdienst verflucht; man betete, Gott möge sie vom ewigen Leben ausschließen.

Ein Schock
Der Samariter zählt im Gleichnis gerade nicht zu den „Nächsten“ des überfallenen Juden, von ihm ist auch keine Hilfe zu erwarten. Daher wirkt der Höhepunkt der Erzählung, „Ausgerechnet ein Samariter hilft!“ wie ein Schock, zumal für einen jüdischen Gesetzeslehrer. Jesus fragt abschließend: Wer hat sich als Nächster erwiesen? Die Frage wird nicht vom Vorbeikommenden, sondern aus der Perspektive des Verletzten gestellt.
Was will Gott?
Der Gesetzeslehrer vermeidet das Schimpfwort „Samariter“, muss aber zugeben, dass dieser „Sünder“ größere Liebe gezeigt hat als die Gesetzestreuen. Wer also so den Willen Gottes tut, wird „das Leben“ finden. Es gilt, anderen zur „Nächsten“ und zum Nächsten zu werden.
Quelle: Bibelwerk, Dr. Franz Kogler

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Oh Gott, das hätte ich nicht gedacht, ein Wunder! – Vierzehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

0e8b2f34083c6b387d073ead55cc5f8706e5949eVor einem Pfarrhof versucht ein junger Mann vergeblich sein Motorrad in Gang zu bekommen. Er stößt dabei die grässlichsten Flüche aus. Schließlich erscheint der Pfarrer: „Junger Mann, wer wird denn so schrecklich fluchen! Versuchen sie es lieber mit Beten, z.B. Lieber Gott, hilf mir!“ Der junge Mann blickt verzweifelt zum Himmel und spricht: „Lieber Gott, hilf mir!“ Und das Motorrad springt mühelos an. Als der junge Mann davonsaust, sagt der Pfarrer: „Ein Wahnsinn, das hätte ich nicht gedacht!“.
Da staunt sogar ein Pfarrer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eine Frage der Beziehung zu Gott ist. Wenn ich etwas Spezielles will, bekomme ich es in den meisten Fällen nicht. Da wird Gott funktionalisiert. Wenn ich aber Gott bitte, mir grundsätzlich zu helfen, dann merke ich, dass er mir in seiner Art hilft.

Macht über den Satan und Freude an Gott

In der guten Nachricht, dem Evangelium zu diesem Sonntag, heißt es: Wenn wir mit Christus unterwegs sind, dann sind uns die bösen Geister, die Dämonen untertan, dann fällt der Feind, der Satan, wie ein Blitz vom Himmel, dann haben wir die Vollmacht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und dann haben wir Macht über den Feind der Menschen, den Satan. Aber freuen sollen wir uns nicht darüber, sondern wir sollen uns freuen, dass wir eine Beziehung zu Gott haben.

Der Satan fällt vom Himmel

René Girard sieht den Satan als den Heraufbeschwörer von Konflikten zwischen uns Menschen. Er ist der Verursacher des nachahmenden Begehrens, das einen Prozess einleitet, der über die Rivalität jeder gegen jeden zum Sündenbockmechanismus und letztlich zum Menschenopfer führt. Jozef Niewiadomski erklärt lebensnah die Bedeutung des Satzes Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz
(Lukas 10,17ff) Weiterlesen

Es brennt im Herzen – Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

herzjesufeuer-kartitschSich entscheiden für Christus ist eine Entscheidung für die Freiheit. In unserer Bibelrunde beklagen wir uns, dass manche Texte uns einschränken. Wenn Jesus sagt: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst“, fühlen sich viele durch das Verleugnen abgewertet.
Es ist unklar, in welcher Situation dies Jesus spricht. Wir wissen aber, dass Jesus uns heilen, erlösen und befreien möchte. Wenn uns in dem Text nichts Befreiendes entgegenkommt, dann kann man den Satz vergessen. Paulus sagt: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“
Auch beim nächsten Sonntagsevangelium kommt so ein Satz vor, bei dem man sich leicht gedrängt fühlen kann: Wieder ein anderer sagte: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind.“ Jesus erwiderte ihm: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ Hoppala, tauge ich nicht für das Reich Gottes? Meine Antwort ist: Meine Nachfolge geschieht im Herzen. Und das jetzt.
Und: Ich freue mich schon auf das himmlische Brot im Gottesdienst, durch das die Liebe in unsere Herzen ausgegossen wird.
Bild: Am 3. Wochenende nach Pfingsten gibt es in Tirol Herz-Jesu-Feuer.

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30. Juni 2019 13. Sonntag im Jahreskreis, 9:00 Gottesdienst + Sacré Coeur Kaffee
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