Der Nächste? – Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Rückblick
Liebe Leserin, lieber Leser!
Da ich in Rhodos war, erlaube ich mir den Kommentar für das letzte Sonntagsevangelium vom Bibelwerk zu nehmen:
Das wichtigste Gebot?
Zur Zeit Jesu war es umstritten, welches das wichtigste Gebot der Tora ist. So kam ein Mann zum berühmten Rabbi Schammai und sagte: „Ich will Jude werden, wenn du mir das Wichtigste der jüdischen Religion in der Zeitspanne sagen kannst, wie ich auf einem Fuß stehen kann.“ Der Rabbi dachte an die fünf Bücher Mose und an all unsere Auslegungen zu diesen Büchern, die angeben, was alles wichtig ist, um das Heil zu erlangen. Er musste zugeben, dass es ihm unmöglich sei, alles in ein paar Sätzen zusammenzufassen. Darauf ging der Mann zu einem anderen berühmten Rabbi, zu Rabbi Hillel, mit derselben Bitte. Der antwortete sofort: „Was dir selbst widerwärtig ist, das tue auch deinem Nächsten nicht an!“ Das ist das ganze Gesetz. Alles andere ist Auslegung!

Wer ist mein Nächster?
Für Pharisäer waren „Nächste“ die, die das Gesetz halten wollten.

In Qumran wurden als „Nächste“ nur die Mitglieder dieser Gemeinschaft gesehen.
Für Zeloten galt als der „Nächste“, wer zum bewaffneten Kampf gegen die Römer bereit war.
24 Gruppen von Priestern und Leviten
Jericho war als fruchtbare Oase der Wohnsitz vieler Priester und Leviten und eine Nobelstadt der Vornehmen. 24 Dienstgruppen von Priestern und Leviten wechselten wöchentlich ihren Dienst am Tempel in Jerusalem. Leviten halfen den Priestern beim Schlachten und Zubereiten der Opfertiere, hatten die Aufsicht im Tempelbezirk, durften aber nicht das Tempelheiligtum betreten oder Opfer darbringen.

Keine Leichen berühren
Von Priestern und Leviten war ein Höchstmaß an Reinheit verlangt. Sie mussten den Kontakt mit Sterbenden und Toten vermeiden. Sie gingen dem Gesetz gemäß an Leichen vorbei, machten einen Bogen um den Halbtoten, der nach damaligem Verständnis genauso verunreinigt hätte wie ein Toter. Die Gesetzestreue hinderte sie zu helfen. Der Priester und der Levit sind keine Bösewichte, sondern „nur“ gewohnt, das jüdische Gesetz über alles – eben auch über einen Menschen in äußerster Not – zu stellen. In äußerster Kürze wird ihr Nichthelfen beschrieben, dagegen wird anschließend sehr ausführlich das Handeln des Samariters dargestellt.

Samariter, die Feinde
Die Gestalt des Samariters ist für die Hörerinnen und Hörer besonders schockierend, weil zur Zeit Jesu die Feindschaft zwischen Juden und Samaritern außergewöhnlich erbittert war. Die Samariter sind benannt nach der Region, in der sie wohnen: im samarischen Bergland. Samaria war einst die Hauptstadt des Nordreiches gewesen. 722 v. Chr. war das Nordreich Israel durch die Assyrer erobert, die Ober- und Mittelschicht deportiert, fremde Volksstämme zwangsangesiedelt worden.

Ein eigener Tempel am Garizim
Die Einheimischen hielten am JHWH-Glauben fest, vermischten sich aber mit den Neuangesiedelten und nahmen fremde religiöse Elemente auf. Man baute einen eigenen Tempel auf dem heiligen Berg Garizim. Konservative Juden ließen sie deshalb nach ihrer Rückkehr aus dem Exil nicht mehr zum Tempelgottesdienst in Jerusalem zu. Samariter belästigten zum Teil die Tempelpilger auf dem Weg nach Jerusalem durch ihr Gebiet. Die Samariter wurden im Synagogengottesdienst verflucht; man betete, Gott möge sie vom ewigen Leben ausschließen.

Ein Schock
Der Samariter zählt im Gleichnis gerade nicht zu den „Nächsten“ des überfallenen Juden, von ihm ist auch keine Hilfe zu erwarten. Daher wirkt der Höhepunkt der Erzählung, „Ausgerechnet ein Samariter hilft!“ wie ein Schock, zumal für einen jüdischen Gesetzeslehrer. Jesus fragt abschließend: Wer hat sich als Nächster erwiesen? Die Frage wird nicht vom Vorbeikommenden, sondern aus der Perspektive des Verletzten gestellt.
Was will Gott?
Der Gesetzeslehrer vermeidet das Schimpfwort „Samariter“, muss aber zugeben, dass dieser „Sünder“ größere Liebe gezeigt hat als die Gesetzestreuen. Wer also so den Willen Gottes tut, wird „das Leben“ finden. Es gilt, anderen zur „Nächsten“ und zum Nächsten zu werden.
Quelle: Bibelwerk, Dr. Franz Kogler

Wir laden ein:
14. Juli 2019 15. Sonntag im Jahreskreis, 9:00 Gottesdienst + Sacré Coeur Kaffee
21. Juli 2019 16. Sonntag im Jahreskreis, 9:00 Gottesdienst + Sacré Coeur Kaffee Weiterlesen