Er schreit: Wahnsinn! am 4. Sonntag im Jahreskreis

Mir ist jetzt etwas Unheimliches passiert. Ich wollte gerade von jemandem berichten, der eine unheilbare Krankheit hat. Er kann nur einige Worte sprechen und wiederholt immer das Wort: „Wahnsinn“. Zu allem, was er ausdrücken will, sagt er „Wahnsinn“. Wie ich aber gerade diese Sätze schreibe, drücke ich eine falsche Taste auf meinem Computer und eine Stimme liest mir diesen Text vor! Es war unheimlich. Ich wusste nicht, wie ich diese Stimme (es war eine weibliche, englischsprachige) abstellen konnte. Ich habe das Dokument nur schnell abgespeichert und geschlossen. Als ich es wieder aufmachte, war die Stimme weg.
Jesus erlebte so etwas Wahnsinniges viel intensiver, als ein Mann ihn anschrie: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!“ Diese Stimme kam nicht aus einem Computer, sondern von einem Menschen, der voller Angst war. Weiterlesen

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Gesund durch Beziehung: Die gute Nachricht zum 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

HeilungIn Kafarnaum, einem Ort am See Genesaret, lehrte er in der Synagoge und heilte einen seelisch Kranken. In diesem Ort wohnten auch Simon und Andreas mit ihren Familien. Es war Sabbat. Jakobus und Johannes kamen mit Jesus in ihr Haus, wo die Schwiegermutter des Simon mit Fieber im Bett lag. Sie sprachen mit Jesus über sie. Er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr. Die Berührung machte sie gesund. Sein Aufrichten half ihr. Ihre Antwort war, dass sie für die Gruppe sorgte.
Am Ende des Sabbats, als es dämmerte, brachte man alle körperlich und seelisch Kranken zu Jesus. Er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten und „trieb viele böse Geister aus“. Für uns Europäer ist der Geisterglaube sehr fremd. Geister kommen eher in Horrorfilmen vor. Nun gibt es auch heute Menschen, die seelisch krank sind, die Stimmen hören und diesen antworten, die Personen sehen, die andere nicht sehen. Man kann durchaus davon ausgehen, dass Jesus seelisch kranke Menschen in Kafarnaum geheilt hat. Die schlechten Geister wären dann Ausdrucksformen der seelischen Krankheiten, die durch eine neuartige Beziehung zum liebenden Gott geheilt werden. Jesus sagt dabei öfters: deine Absonderung (ein anderes Wort für Sünde) ist dir vergeben und dein Vertrauen (eine Form des Glaubens)  hat dich geheilt. Diese seelischen Krankheiten werden durch die neue Beziehung zum Mittler Jesus geheilt. Sie sind Reaktionen auf eine schlechte Beziehungskultur, die durch die neue Beziehung zu Jesus und Gott geheilt werden.
Jesus verbot den schlechten Geistern zu reden, weil er noch am Anfang seiner Sendung stand. Am Tag davor schrie ein Kranker: „Ich kenne dich. Du bist der Heilige Gottes.“ Darauf befahl ihm Jesus zu schweigen. Jesus wollte nicht von anderen, sondern nur von seinem Vater seine Identität bekommen.
Die nächste Nacht war kurz. Noch bevor es dämmerte stand er auf und ging an einen einsamen Ort um zu beten. Wir wissen von anderen Stellen der Evangelien, dass er seinen Vater mit einem familiären „Abba“ anredete. Von ihm bekam er die Erfahrung „Du bist mein geliebter Sohn.“ Was Gott-Vater von ihm wollte, wurde in den nächsten Stunden klarer.
Simon und seine Begleiter suchten ihn und als sie ihn fanden informierten sie ihn über die Erwartungen der Kafarnaumer Bevölkerung: „Alle suchen dich.“ Jesus aber wollte die Erwartungen der Leute nicht erfüllen, sondern den Willen des Vaters tun. Er sagte: „Lasst uns anderswo hingehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige. Denn dazu bin ich gekommen.“ Er zog durch ganz Galiläa, predigte und trieb die schlechten Geister aus. Er wusste jetzt, wozu er gekommen ist.
Das Sperrige an der Geschichte ist die Praxis der Vertreibung der „bösen“ Geister. Die Kranken litten anscheinend sehr unter diesen schlechten Geistern, die sie fest im Griff hielten. Sie waren Ausdruck der miesen Beziehungskultur. Viele bezogen ihre Identität nicht von Gott, sondern vom Vergleich mit anderen und der Abgrenzung zu anderen. Dieser Vergleich mit anderen führte zu Selbstgerechtigkeit, Hochmut, aber auch zu Neid und Egoismus. Diese Unkultur lässt Menschen an Neurosen und Psychosen erkranken. In so eine neurotische und psychotische Gesellschaft kam Jesus mit seiner guten Nachricht: Gottes Reich ist nahe, Gott erbarmt sich seines Volkes. Richtet euch nach ihm aus.
Für uns in Europa bedeutet das, dass wir krank werden, wenn wir unsere Identität durch Vergleich und Abgrenzung bekommen. Wir können uns von der Unkultur befreien lassen, wenn wir unsere Identität von Gott und Jesus beziehen. Unsere europäischen Gesellschaften werden neurotischer und psychotischer, wenn wir uns nicht wie die Kranken von Jesus heilen lassen. Danach sollten wir uns ein Beispiel an der Schwiegermutter des Simon nehmen und für die Menschen um uns sorgen.

Lesejahr B, 5. Sonntag im Jahreskreis, Mk 1, 29-39